Wut tut gut – Sei du selbst

Manche Leute sagen, das größte Problem in der Welt wäre, dass wir zu egoistisch sind, im Sinne von zu sehr an uns selbst denken. Ich sehe an vielen Stellen, dass es genau das Gegenteil ist. Bei mir selbst durfte ich feststellen, dass es zuviel Mitgefühl geben kann. Wenn ich dabei nämlich mich selbst und meine eigenen Grenzen nicht mehr spüre. Lange Zeit habe ich in Anwesenheit von anderen Personen keine Wut in mir gespürt.

Ich hatte immer totales Mitgefühl für die andere Person, konnte sehen, dass sie es nicht so meint und in Wahrheit auch nur ein alle gelassenes Kind oder was auch immer dahinter steckt. DOCH: mein Körper fühlt sich trotzdem angegriffen und das habe ich zuweilen ignoriert. Nicht gespürt. Nicht hingeschaut.

Es war ja schließlich das oberste Credo, mit dem ich erzogen wurde, nicht an mich selbst, sondern zuerst an die anderen zu denken. „Sei nicht so egoistisch“. „Denk doch auch mal an die anderen.“ Auch ganz subtil steckte das immer wieder in so vielen Botschaften und Gesten, die ich als Kind und Jugendliche zu hören und zu sehen bekam. Die Haltung, das Kind müsste nur richtig erzogen werden, dann würde es sich den Egoismus schon abgewöhnen.

Während ich das schreibe, steigt die Wut in mir auf. Juhuuu, endlich. Es ist so grundlegend falsch, den Menschen so zu sehen und es ist so fatal, was dann passiert. Wir sind dann nämlich gerade eben nicht mehr bei uns selbst. Nur beim anderen, fragen uns was die anderen denken, was wohl die Nachbarn denken. Zeigen uns nicht mehr, verstecken uns, tun so, als wären wir normal, passen uns an, bloß nicht auffallen. Aaaaaaaahhhhhhhhhh…..

Ganz viel kommt davon ganz sicher auch noch aus Kriegszeiten. Klar, da war es schließlich wichtig, angepasst zu sein und möglichst nicht aufzufallen. Das hat das Überleben gesichert.

Doch wir leben jetzt in einer anderen Zeit, liebe Leute. Wacht auf. Wacht auf aus dieser unterdrückten, verschleierten, nebulösen Welt. Die Welt ist bunt und schön. Und ja, dazu gehört auch die Wut.

Die Wutkraft ist Teil unserer Lebenskraft, gibt uns Antrieb. Und sie zeigt auch die Grenzen, wenn uns jemand zu nahe tritt. Was auch immer dabei bei der anderen Person los ist – das ist ihre Verantwortung. Ich habe das Recht und tatsächlich auch die Pflicht, wenn ich gesund bleiben möchte, meine Grenzen klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Das brauche ich nicht auf eine aggressive Art und Weise zu tun. Ich kann die Wut spüren und dann klar zum Ausdruck bringen, wie weit es bei mir geht und wo Stop ist. Wenn die andere Person das nicht respektiert, muss ich gehen, um bei mir bleiben zu können.

Tatsächlich ist genau das das oberste Credo für die neue Zeit: Sei du selbst, bleib bei dir. Und jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, ich darf das!!!!!!!!!!! Es ist so tief verwurzelt in mir, dass ich dann ein schlechter Mensch wäre… Das Gegenteil ist der Fall!!!!!!!!! Wenn jeder Mensch für sich selbst sorgt, für die eigenen Grenzen einsteht und sein wahres Selbst klar zum Ausdruck bringt, dann kann wahrer Friede zwischen den Menschen entstehen. Und vielleicht sogar nur dann.

Unsere Gefühlswelt ist so verwirrt. Wir dürfen fühlen und wir dürfen diese Gefühle zum Ausdruck bringen. Gerne mittels gewaltfreier Kommunikation. Aber bitte, bitte nicht mehr unterdrücken oder gar nicht erst fühlen können, weil wir es nie gelernt und schon unser ganzes Leben unterdrückt haben. Deshalb bitte lasst alle Gefühle zu, auch die Wut, denn Wut tut gut!!!!!!!! Danke!!!!!

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